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Freitag, 11. Juli 2014

intermezzo


Louisiana channel
Kerstin Ekman

Albert Bonniers Förlag
Roaming in old bookmarks I found this video and can't remember when I put it there.  The novel by Kerstin Ekman which brought her much praise and made her well-known — Blackwater — I had read in German translation in 1995 (Geschehnisse am Wasser) and had liked very much, even if it is pretty dark. When a year ago I visited my friend (who'd introduced me to her writing in the first place), I dipped into Ekman's capacious essay: Herrarna i skogen (2007, in German: Der Wald. Eine literarische Wanderung) which seems not to have been published in English so far. Ekman has an intelligent and elegant way of writing and is full of stories and knowledge. In 2011 her novel Grand final i skojarbranschen (German: Schwindlerinnen) was published. It is always worthwhile to wait for what she will come up with next.

Piper
(out of print/vergriffen)
Piper
Vintage

Samstag, 18. Mai 2013

Mit einem Satz hinein


Insel
Die Frankfurter Buchmesse wird in diesem Jahr Brasilien zum Gastland haben, und so tauchen schon jetzt Titel brasilianischer Autoren auf, oder beispielsweise auch das Buch von Stefan Zweig zu Brasilien.
Wagenbach
Wagenbach
Wagenbach

Außerdem ist noch das ein oder andere Buch im kleinen Fenster präsentiert, das mich in der Ankündigung neugierig gemacht hat. Hier tauchen wir also den großen Zeh ein und testen mal das Wasser an, um metaphorisch die Lesesaison Sommer zu beschwören. Der mutige springt mit einem Satz hinein und kommt am Ende wieder heraus, erfrischt, bereichert und verwandelt.
Suhrkamp
Kiepenheuer & Witsch


"Es gibt Goldstaub und Goldkörner in Fülle, aber es gibt kein Brot und keinen Mais und keinen Käse und keine Milch und kein Fleisch, um die Zehntausende, die vielleicht Hunderttausende zu verköstigen in dieser Bergwildnis ohne Vorräte, ohne Viehstand und ohne Frucht. Glücklicherweise treibt die Aussicht, ihre Ware zum fünffachen, zum zehnfachen Preis und diesen noch in bares Geld bezahlt zu bekommen, die Kaufleute zu verzehnfachter Anstrengung."
Stefan Zweig über Minas Gerais vor 1700 in Brasilien, S. 113 
*** 
"Er sah die Wolken, die an den blauen Abendhimmel zerflossen. Das machte ihn verdrießlich"
Graciliano Ramos über "Das jüngere Kind" in  
Karges Leben, S. 56. Übersetzt von Willy Keller
*** 
"Alles wurde blau von einer gewaltigen Rauchwolke, aber der Hurensohn entkam zunächst den sechs Schüssen, die ich im Karacho auf ihn abfeuerte, die Linke auf dem Erdboden, und verschanzte sich zwischen zwei Baumstämmen, von beiden ein wenig behindert, wenn auch sein Trupp ihm den Rücken deckte und dem anhaltenden Gewehrfeuer standhielt."
João Ubaldo Ribeiro über eine grausige Geschichte in Sargento Getúlio
S.79. Übersetzt von Curt Meyer-Clason
*** 
"Einmal wollte sich mein Chef die Haare schneiden lassen, und ich bot mich an, es zu machen, obwohl ich mit der Schere gerade mal so viel Erfahrung hatte, um die Fotos zurechtzuschneiden, die die Maschine wie von Geisterhand ausspuckte."
Andréa del Fuego in Camping Calamares 
aus der Sammlung Popcorn unterm Zuckerhut
 S. 100. Übersetzt von Marianne Gareis
*** 
"Ich zünde keine Autos an, ich zünde auch keine Häuser oder Kinderwagen an, ich bin kein Zündler und kein Pyromane, das Feuer fasziniert mich nicht, es regt mich nicht an."
Gregor Henz  in Autodafe
aus der Sammlung Berlin bei Nacht, S. 63
*** 
"Ray Manzareks Intro zu 'Strange Days' ist der gespenstischste Moment in der Karriere der Doors und einer der betörensten."
Greil Marcus in The Doors, S. 137. 
Übersetzt von Fritz Schneider
*** 
S. Fischer
Yale University Press
"Die Vergangenheit schläft an meiner Seite / Wie das Klingeln / an der Seite seines Großvaters schläft, / Des Glockenläutens. / Die Verbitterung folgt mir / Wie die Küken / Der Henne folgen. / Und der Horizont, / Dieses über Sand und Tränen / Fest geschlossene Augenlid - / Was hinterließ er, / Was versprach er dir?" 
Taha Muhammad, Die Glocke vierzig Jahre nach der Zerstörung eines Dorfes, S. 56, in 
An den Ufern der Dunkelheit, Gedichte aus Palästina. Übersetzt von Stefan Weidner
*** 
"The house is dark in the February damp, but when she opens the door to let me in, Imm Nizar is laughing. It seems to tickle her that I got lost on my way to the home she almost never leaves, and that - after driving in confused loops around a dingy Nazareth neighborhood where teenagers tinker with half stripped cars and packs of chickens scuttle - I gave up, pulled to the side, and called to ask for help."
Adina Hoffman in My Happiness Bears No Relation to Happiness
A Poet's Life in the Palestinian Century, S. 1
S. Fischer
*** 
"Wie geht es Herrn Kiyak, will der Psychologe wissen. Herr Kiyak dachte, jetzt beginne der schöne Teil des Lebens, umschreibe ich vorsichtig Papas Lage. So eine Nachricht platzt immer überraschend rein, erklärt er mir. Ist das so, frage ich."
Mely Kiyak in  
Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an, S. 98
*** 

Dienstag, 2. Oktober 2012

Literaturverfilmungen

Reclams Universalbibliothek
Literaturverfilmungen
Interpretationen
Reclam, Stuttgart
erweitert und aktualisiert, 2012
978-3-15-017536-1
9,80 €

Ich schlug dies Büchlein auf und dachte gleich: ach, den musst Du noch mal sehen! und Mensch, das musst Du wieder lesen!

Weswegen ich Literaturverfilmungen mag ist, weil sie mir etwas verraten, wie ein anderer Mensch den Stoff aufnimmt und verarbeitet, über den ich mir zuvor meine eigenen Eindrücke und Gedanken gesammelt habe.  

Letzten Sonntag zeigte ARTE die Verfilmung von Monsieur Hire. Die Interpretation zur Verfilmung von Monsieur Hire ist in dieser Sammlung bei Reclam von immerhin 30 Beispielen nicht dabei. Also Georges Simenon. Diesesmal bei der Verfilmung war ich wieder einmal erstaunt – und ich muss sagen, auch enttäuscht. Beim Lesen kam es mir so vor, als habe Simenon die Armseligkeit von Kleinbürgern besonders meisterhaft in eine nass-kalte erbärmliche Szene gesetzt. In der Verfilmung leben die Protagonisten chique und sauber, hungern und frieren nicht. Und dann ist da noch die Schlußszene, die mich beim Lesen beinahe umgehauen hat – der Regisseur hatte daraus etwas völlig anderes gemacht, wie mir scheint. Trotzdem habe ich den Film gerne gesehen. Ich würde ihn als etwas Eigenes betrachten. Er war ein ästhetisches Vergnügen. Man schaute, man lauschte, man roch. Aber müsste ich wählen zwischen Leconte und Simenon: immer her mit dem Buch!

Diogenes
Film:
Monsieur Hire, Frankreich, 1989
Regie: Patrice Leconte
mit Michel Blanc (Monsieur Hire), Sandrine Bonnaire (Alice), Luc Thuillier (Emile), André Wilms (Polizeiinspektor)

Georges Simenon
Die Verlobung des Monsieur Hire
Aus dem Französischen von Linde Birk
Diogenes, 2012
978-3-257-24101-3
9.00 €



Dienstag, 25. September 2012

A Guest Among the People at the Black Sea

Folio Society
Neal Ascherson
Black Sea 

Folio Society, London 2011

34,- €; three-quarter-bound, in Slipcase
richly illustrated

On principle, one should perhaps not recommend a book without having read all of it or pretty far into it. But given the alternative -- which is to leaf all the way through a very pretty, bound volume ("three-quarter-bound in buckram with a Modigliani paper side") intended for purchase -- I will do so for Neal Ascherson's Black Sea. The reader, at any rate, is warned to take the following with a grain of salt.

Neal Ascherson was a journalist with the Observer and the Independent; this occupation is hinted at in his writing style, for the brief and factual sentences never bury the reader's energies under their accumulated weight. But fortunately what he writes is never a string of facts devoid of interpretation or individuality; he has not lost the facility of composing well-rounded paragraphs couched in a characteristic style, which is very welcome in the sphere of a book.

The scope of his book is as great, one may say, as the geographical area which he covers. He neglects, as he warns the reader at the outset, much of Turkey and Romania. But he delves into the region's history as far as the ancient Greeks and sketches its economy, politics, wildlife, art, peoples, and so on and so forth.

Many connections wind among these perhaps disparate-seeming spheres, and historical threads can reemerge into the forefront unexpectedly in the course of time. All of it is portrayed with warm affection and with the curiosity which one expects of the traveller.

It is also refreshing that, in the end, the book is written not by a venturesome hero who is trumpeting his own odysseys. He is a guest who, in recounting his vicarious and immediate experiences, puts the realm which he traverses in the forefront. /edi



Vintage Books
 Paperback: Vintage 2007 
 Publisher's price: £ 9.99 

 shipping: 3 - 4 weeks on order 

I couldn't find a copyable image of the cover at the publisher's site. However, you shall find further information by using the link. This image was actually taken from another blog:
caucascapades. There you shall find a further long review of Neal Ascherson's book. 

Die deutsche Ausgabe "Das Schwarze Meer" war bei Suhrkamp erschienen, ist aber nur noch antiquarisch zu bekommen./mh


Folio Society

 ... A Spy in Dark Times

The author, Neal Ascherson, reviews the film Tinker, Tailor, Soldier, Spy from the perspective of his own years as a Cold War correspondent in Berlin and Moscow.

"The real-life spies of Tinker Tailor Soldier Spy" 


in the Guardian of September 11, 2011
John le Carré 
Tinker Tailor Soldier Spy
Folio Society, London 2009
32,80 €, Buckram bound in Slipcase