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Montag, 21. Juli 2014

Hart Cranes Meisterwerk: Die Brücke


Jung und Jung
by David Levine, NYRB**

»Es ist der Geburtstag von Hart Crane (Bücher von diesem Autoren), geboren als Harold Hart Crane in Garrettsville, Ohio (1899). Seine Mutter war eine Chicagoer Debütantin [*] und sein Vater war ein sehr erfolgreicher Bonbon-Geschäftsmann der übrigens Lifesaver erfand, das beliebte ringförmige Minzbonbon.
In den Teenagerjahren von Crane wurde ihm bewusst, dass er homosexuell war; und Leben und Laufbahn von Oscar Wilde faszinierten ihn. Als die Ehe seiner Eltern scheiterte, brach Crane die Schule ab und fuhr im Zug von Cleveland nach New York, um ein Leben als Dichter zu beginnen. Er liebte sein Leben in New York, hing herum mit Dichtern wie E. E. Cummings und Allen Tate.
Quelle: Jung und Jung

Aber es fiel ihm schwer, dort sein Auskommen zu finden, er konnte keinen Job halten. Seine Trinkerei wurde schlimmer und 1932, mit 33 Jahren, nahm er sich sein Leben, indem er auf einem Dampfer auf den Weg von Mexiko nach New York über Bord sprang. Er hinterließ sein Meisterwerk, Die Brücke (1930).«
übersetzt nach Garrison Keillor, bei writersalmanac.publicradio.org
siehe auch: "Poetisches - Ein Streifzug durch neuere und ältere Dichtung (Dezember 2010)"
[* das musste ich nochmal nachschlagen, um sicher zu sein: das sind junge Damen, die sich zum ersten Mal der öffentlichen Gesellschaft präsentieren, wobei der Duden alle sozialhistorischen Bezüge fallen gelassen hat. Es geht aber darum, entweder via Heirat oder via Personalität eine Stellung in der Gesellschaft zu sichern.]
** Quelle: Reader's Catalog, 2nd Edition, 1989 im Privatbesitz, S. 692
Der Druck wird bei New York Review of Books zum Kauf angeboten.

 
Reading Along the NYRB
50 Years New York Review of Books 50 Jahre
NYRB 17 April 2008


When the Library of America published "Hart Crane: Complete Poems And Selected Letters" in 2006 it took Colm Tóibín some time, but in April 2008 his lengthy article "A Great American Visionary" appeared in the New York Review. Diligently and carefully he follows Crane on his short life with poetry, friends, struggles, work and finally a sad and much to early end. We learn about other writers which influenced him, about circumstances which throw him back, about thoughts and deeds. There are quite a bit of passages from his poems and letters to entice us for the whole.
Library of America

What impresses me is Crane's effort to built a great poem pretty early on. The Bridge, that is Brooklyn Bridge, should stand for the country and its people in past and presence. Crane avoids sliding into myth or pathos. He has a keen eye for the landscape and nature that remains interwoven with the city and its structures. Somehow by reading The Bridge, woodcuts of Frans Masareel come to my mind.

This April 2008 issue and others of the NYRB, from 1996 on, are in the bookshop to be read during opening hours. I would be pleased to find you interested. Chairs and tables are at your service. With necessary precautions the papers may be borrowed, too.

Dienstag, 15. Juli 2014

Der Buchblog nebenan I


Hotlistblog
Der Hotlistblog

Der Hotlistblog erwuchs aus dem Hotlistpreis, der alljährlich an Autoren und Werke aus unabhängigen Verlagen verliehen wird. Hier kümmern sich zwei emsige Korrespondenten,  mit Sitz in Wien und Berlin und liefern stetig frische Besprechungen aus dem deutschsprachigen Raum.  Ich ermuntere Sie hier, sich ein "Buchzeichen" dazu anzulegen. Oftmals sind die Verlagstexte abgedruckt, aber immer wieder gibt es die Stimme von Senta Wagner oder Meinolf Reul selbst, und das gefällt mir natürlich am besten.

Zwei jüngste Beispiele, die zur Diskussion anregen:

Kurt Wolff Stiftung

litprom
"... hier die drei weiteren Titel aus der Sommerausgabe der litprom-Bestenliste „Weltempfänger”, auch wenn die Bücher nicht aus Independent-Verlagen kommen (Hanser ist unabhängig, hat aber eine eigene Verlagsgruppe gebildet, zu der Hanser Berlin, Hanser Kinderbuch, Hanser Fachbuch, Nagel & Kimche, Deuticke, Zsolnay, Sanssouci, Fachbuchverlag Leipzig u. a. gehören, und liegt mit einem Jahresumsatz von 50 Millionen Euro um 45 Millionen Euro über der Grenze, die die Kurt Wolff Stiftung als Maximum für eine Mitgliedschaft festlegt, s. hier [*]).

Die Diskussion, was ein Independent-Verlag ist und eine genaue begriffliche Definition stehen noch aus. Vorerst genügt es vielleicht im Kopf zu behalten, dass die Bezeichnung in Anlehnung an unabhängige Plattenlabels, eben Indie-Labels, entstanden ist, in Abgrenzung zu den Major Labels.

Der Wikipedia-Artikel, wenngleich veraltet, erwähnt ganz richtig, dass Imprints keine unabhängigen Verlage sein können. Bei Verlagen wie METROLIT könnte man schon mal durcheinanderkommen. / mr"  [* weitere Links im Originalbeitrag]

*

Edition Meerauge

"Was könnte ein Meerauge bloß sein? Es hat bestimmt was mit Magie und Farbe zu tun, mit Legenden und Eiszeit. Tatsächlich wurden gleich zwei Meeraugen entdeckt: ein kleines Gewässer im Bodental in den Karawanken und ein Gletschersee in Polen in der Hohen Tatra. Ein weiterer staunenswerter Fund ist die Edition Meerauge aus Klagenfurt, die bibliophile Reihe für zeitgenössische Literatur im geschichtsträchtigen Verlag Johannes Heyn, gegründet 2010. “Bücher wie Meeraugen”, die gibt es dort, bestimmt so tiefgründig, selten und schillernd wie die obigen Naturwunder. Das Programm ist also überschaubar, bewegt sich im Prosabereich. Im Frühjahr erschien ein Titel, gleichzeitig bereits das vierte Meerauge der österreichischen Schriftstellerin Simone Schönett. Ihr Roman Der Private Abendtisch wird als “literarischer Glücksfall” bezeichnet, die Gestaltung ist hingebungsvoll. / sw"

*

Buch und Gespräch
Es gibt auf dem Hotlistblog eine Kommentartaste, aber bei mir sprach sie jedenfalls nicht an, und insgesamt scheint die Konversationskunst in unserem Land der einstmals großen Literarischen Salons zu darben, wenn man mal im Vergleich die Kommentare bei The Guardian liest (heute beispielsweise zum Tod von Nadine Gordimer).

Weswegen ich hier überhaupt den Gastbeitrag einschiebe ist, weil mich der fleissig zusammengestellte Beitrag "Schlaf etc." vom 12. Juli dazu angeregt hat.

"Im Hotlistblog geht es – was meinen Part betrifft – in Kürze weiter mit einer kleinen Serie zum Themenbereich Schlaf, Müdigkeit, Faulheit, Nichtarbeit, Muße.", wie mr am 7. Juli ankündigte, und das Thema liegt mir.

***

Jean-Luc Nancy, Vom Schlaf

Entgegen der Thematik haben hier drei Schriftsteller fleißig nachdeacht und auch mein Hirn beginnt geschäftig zu surren. Dieses "Fallen" bei Jean-Luc Nancy ... Da werden so viele Facetten angesprochen und Ausdruckstiefen. Es kann Resignation gepaart mit Protest darin liegen, oder ein Zusammensacken, oder eine Demonstration wie bei Reinhard Mai: "Wie ein Baum, den man fällt, eine Ähre im Feld - ich will im Stehen ster-her-ben". Viktor von Weizsäcker schrieb von der Arbeit, die das Schlafen eigentlich verrichtet. Es ist ein physischer Vorgang. Man liegt ja nicht einfach so herum. Na, ich hätte schon Lust, bei Nancy hineinzulesen ...

Byung-Chul Han, Müdigkeitsgesellschaft

Das ist diese Reihe bei Matthes  Seitz die dem modischen Trend erlegen ist - oder hat sie ihn vielleicht gesetzt? - Autorennamen und Titel in fetten Blockbuchstaben um die Ränder herum zu schreiben, so dass man erstmal eine Weile mit dem Entziffern zugange ist. Hm. Aber die Reihe selbst hat es in sich. "Food for thought" sagt der Engländer. Ich habe den Verlagstext zwei-, dreimal gelesen und bin etwas begriffs-stutzig geblieben und es weht ein Hauch der intellektuellen Siebziger, wie ihn damals die pinke Reihe von Rowohlt oder die stw-Reihe ausströmte. Man kann sich damit schmücken, oder man muss richtig ran und sich durchbeissen und daran arbeiten, bis man kapiert. Mir geht's jedenfalls so. Ist mit dem "Übermaß an Positivität" die Sattheit gemeint, der saturierte Bürger? Wie kommen Positivität und Depression in einen Hut? Ist es Überdruss?

Wie auch immer, so, wie ich angelegt bin, würde ich doch eher zum dritten besprochenen Buch greifen:

Paul Lafargue, Das Recht auf Faulheit

Ja! Unbedingt! Eins meiner Ansichten in diesen Zeiten ist, dass die Welt so voller Macher ist, die dermaßen viel kaputtmachen, dass es nur gut ist, wenn es Menschen gibt, die garnichts tun, einfach nur wesen, sozusagen. Und Lafargue betont dass mit Faulheit nicht Muße gemeint ist. Toady in Der Wind in den Weiden, mein ich, ist so ein Vertreter, der über genügend Mittel und Muße verfügt, um die verrücktesten Flausen auszuleben mit bekanntlich desaströsen Folgen, und das ist noch die unterhaltsame Variante. Oblomow dagegen, schenkt uns den wunderbaren Traum und einen dicken herrlichen Roman. Dieses Buch ist eine Genugtuung für mich selbst, die ich als Kind und Heranwachsende unter dem Vorwurf der Faulheit heranwuchs. Ich weiss also von der verborgenen Welt die sich in der Faulheit verschließt, und sie ist mannigfaltig. Es wäre also das Thema auch im Zusammenhang mit dem Heranwachsen zu betrachten und sozio-historisch auf Jugend in Deutschland. Hartmut von Hentig hat da beispielsweise Ansätze, die es zu diskutieren gäbe.

Jetzt frage ich mich, ob einer hier inzwischen eines der Bücher gelesen hat. Der Hotlistblog weckt jedenfalls Lust, und dafür sage ich Danke.

Samstag, 31. Mai 2014

An Island Summer And A Nepal Pilgrimage


Patronatskinder No 16 und No 17

Lübbe
Patronatskind Mai
Zwei Bücher, und beide sind im Deutschen derzeit nicht lieferbar, aber Das Sommerbuch, übersetzt von Birgitta Kicherer, erscheint Mitte Juni bei Lübbe; und jetzt, wo traurigerweise Peter Matthiessen im vergangenen April starb, ist das vielleicht ein Ansporn, seine Bücher wieder neu aufzulegen, im Unionsverlag könnte ich mir beispielsweise vorstellen.

Tove Jansson
The Summer Book

New York Review of Books Classics, 2008
with drawings by the author
translated by Thomas Teal (Sommarboken, 1972)
introduction by Kathryn Davis
"It was an early, very warm morning in July, and it had rained during the night. The bare granite steamed, the moss and crevices were drenched with moisture, and all the colours everywhere had deepened. ... "
The bond between this island and its inhabitants, six-year-old Sophia, and her grandmother, leads to what Kathryn Davis describes in her introduction as an "unusual point of view, which hovers above and around the island and seems not so much to move from grandmother to granddaughter as to share them, inhabiting both sensibilities in the manner of weather". Indeed the book has something existentialist, nothing cute or sentimental, but a kind of grim humour and matter-of-fact attitude.

Das Original
mit der Titelillustration
von Tove Jansson
One day, in the chapter "The Neighbor", Grandmother and Sophia "took the dory out for a little row" to gather seaweed on the bank behind Squire Skerry:
"In the middle of the gravel was a large sign with black letters that said PRIVATE PROPERTY – NO TRESPASSING.
'We'll go ashore,' Grandmother said. She was very angry. Sophia looked frightened. 'There's a big difference,' her grandmother explained. 'No well-bred person goes ashore on someone else's island when there's no one home. But if they put up a sign, then you do it anyway, because it's a slap in the face.'"
... and thus begins a chapter that deals with socializing and acclimatisation, with the venture to live in close communion with nature and to respond appropriately to fellow human beings, at the same time a veritable adventure with thrills and funny breaks and with thoughtful observations.

This summer with Tove Jansson is full of such treasures. Enjoy.

Penguin
Peter Matthiessen
The Snow Leopard
Penguin Classic

"At sunrise the small expedition meets beneath a giant fig beyond Pohara - two white sahibs, four Sherpas, fourteen porters." - starting September 28, 1973 it will be a journey with his travel companion GS - that is, field biologist George Shaller - of more than two months in search for the snow leopard. The snow leopard with his
"pale frosty eyes and a coat of pale misty gray, with black rosettes that are clouded by the depth of the rich fur. An adult rarely weighs more than a hundred pounds or exceeds six feet in length, including the remarkable long tail, thick to the tip, used presumably for balance and for warmth, but it kills creatures three times its own size without much difficulty. It has enormous paws and a short faced heraldic head, like a leopard of myth; it is bold and agile in the hunt, and capable of terrific leaps; and although its usual prey is the blue sheep, it occasionally takes livestock, including young yak of several hundred pounds. This means that man might be fair game as well, although no attack on a human being has ever been reported."
But it is not just the elusive leopard Peter Mathiessen tries to find. He also hopes to find his way into the Buddhist view of the world. As Pico Iyer explains "The haunting beauty of the book" in his introduction:
 "The drama, the excitement of any classic record of an adventure comes from giving us the heart-pounding sense of traveling to some state, inner and outer, that few people have had the chance to see before; and yet what gives that a larger resonance here, and placed it inside an elegant frame, is the sense, too, in every moment, that excitements fade, that everything moves on, that even the epiphanies and discoveries that seemed so exhilarating yesterday will soon be forgotten as the world flows on. You can't hold on to anything."
Whoever holds this book and opens it and reads Matthiessen's beautiful prose is holding on to this journey of a far away time and place, to the sights and sounds and smells, to the sense of the snow leopard's realm. Peter Matthiessen died in April. This is also a rewarding way to keep alive the memory of this much-awarded writer.

Freitag, 7. März 2014

Willkommen, ihr Schweizer! Willkommen alle Leser!



Anlässlich des Auftritts Schweiz bei der diesjährigen Leipziger Buchmesse lädt die Schröersche Buchhandlung hoch oben vom Schöneberg alle Leser ein, zum Klettern in geistige und vergnügliche Höhen.

Transit

Auftritt Schweiz Fenster, März 2014 Schweizer Verlage

Schweizer Autoren
Detail: Ganz oben
siehe auch:
Schröersche Ereignisse
Schröerscher Merkur

Mittwoch, 26. Februar 2014

Schiefgegangen und gelungen


btb

Vom Absinken ins Spießertum und vom Aufsteigen zum Künstler

Patronatskinder
No 12 und No 13


RichardYates
Zeiten des Aufruhrs

Ach! wo Liebe sanft und wild zugleich!
John Keats
(Motto des Romans)

"Revolutionary Road" heisst der Roman im Original, der 1961 bei Little Brown, NY, erschienen war und hier in der Übersetzung von Hans Wolf nach einer Neuauflage von 2000 bei Vintage vorliegt. Revolutionary Road ist die Adresse des Paars, und der Roman beginnt mit Theater:
"Als die letzten Geräusche der Generalprobe verklungen waren, blieben die Laurel Players noch eine Weile stumm und hilflos stehen und schauten blinzelnd über das Rampenlicht in den leeren Zuschauerraum."
Was lässt unsere Träume verblassen und nimmt unseren Schwung? In "Zeiten des Aufruhrs" wirft der Autor einen eindringlichen Blick in das Leben vom hoffnungsvollen Paar April und Frank Wheeler. Der Leser wird in die fünfziger Jahre transportiert, in eine Stadt in Conneticut. In ungekünstelter Prosa und mit spürbarer Sympathie zu seinen Helden erzählt Richard Yates uns, wie so etwas geschehen kann, und es wird zur Literatur, die den Vorhang zur Bühne unserer eigenen Leben hebt.
Kunstmann

Quentin Blake und John Cassidy
Zeichnen für verkannte Künstler

Hier scheitert keiner, und Freude ist gewiss: her mit Stiften und Papier und los geht's!
Das Lob auf Quentin Blake habe ich schon im Zusammenhang mit den Büchern von Roald Dahl gesungen: "Meet Illustrator Quentin Blake". John Cassidy ist Gründer des erfolgreichen Kreativ-Buch Verlags Klutz, mit dessen Anleitung sich unsere Kinder schon leidenschaftlich dem Seilchenspringen, Perlenknüpfen, Fadenspiel und Knicker gewidtmet hatten. Dieser schöne Band zum ungehemmten lustvollen Zeichnen ist also, übersetzt von Ruth Keen, für deutschsprachige kleine und große Künstler zu haben.

Beide Bücher werden empfohlen vom Buchpatron. Je suis tout à fait d'accord!

PS: Siehe auch Quentin Blake, Zagazoo

Freitag, 14. Februar 2014

Übersetzt, übertragen, nach- und umgedichtet


Libelle, Lilienfeld, Diogenes oder: 
von Shijing und Edward Gorey

Im Januar ging hier in der Buchhandlung die Ausstellung mit chinesischer Tuschmalerei aus der Volkshochschulklasse von Wang Lan zu Ende, und sozusagen als Nachgesang verweise ich hier auf Fritz Mühlenweg und seiner Übertragung (veröffentlicht 1945 im Hans Dulk Verlag) wirklich sehr alter chinesischer Dichtung unter dem Titel "Tausendjähriger Bambus".

"[...] ein leis knisterner Titel, kurz nach dem Niederbruch eines Regimes, das sich zwölf Jahre lang als "Tausendjähriges Reich" aufgeführt hatte. [...]" - schreibt Ekkehard Faude in seinem ausführlichen, aufschlußreichen und anregenden Vorwort.

Hier ist ein Beispiel aus der Auswahl von 46 Gedichten; und weil es Valentinstag ist, habe ich dies gewählt:

Libelle
Im Häuserschatten

Im Häuserschatten habe ich dich angerührt, 
so zart, wie man nur nach Mimosen greift. 
Vergib! Hat meine Demut deinen Mund verführt, 
 weil er die blasse Wange wieder streift? 

Ich bitte dich so sehr: Entzieh mir nicht die Hand 
und wende deinen Blick vom Sonnenlicht 
ins Dunkel meiner Liebe, die am Straßenrand 
die müden Finger um die deinen flicht. 

Wie es sich schickt, ist der Libelle Verlag ein weiterer Verlag aus der Schweiz (siehe: Vorlesen am Montag, Dörlemann). Ergo feiere ich auch auf dem Buchprogramm-Blog die Schweiz als Gastland auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse.

"Tausendjähriger Bambus"
übersetzt von Fritz Mühlenweg
Libelle, 2002 (in 2. Auflage)
liebevoll und sorgfältig gestaltet,
im feinen Hochformat
13,90 €
*
Lilienfeld
Der Lilienfeld Verlag ist zwar aus Düsseldorf und nicht aus der Schweiz, aber er ist auch einer der unabhängig mit Herz und Geist verlegenden Häuser, die zu übersehen oder zu übergehen uns ein gewaltiges Stück ärmer ließe. Lilienfeld teilt mit dem Schweizer Verlag Diogenes das Verdienst, Edward Gorey dem deutschsprachigen Publikum schmackhaft zu machen. Irgendwie scheint der deutsche Leser aber auch mit dem skurrilen englisch anmutenden Humor des Amerikaners Gorey Schwierigkeiten zu haben. Das schlägt sich auch in der Nachdichtung von Alex Stern nieder, dem es aber immerhin gelang, die Turbulenzen und Eskapaden des fragwürdigen Gastes in Versform zu bringen. Wo Gorey munter in (ich nehme mal an, dass es sie sind) Hexametern dichtet: "At times it would tear out whole chapters from books / Or put roomfuls of pictures askew on their hooks", heisst es bei Alex Stern: "Manchmal sollte es komplette Kapitel aus Büchern fetzen / Oder die Gemäldehängung ganzer Räume ins Schiefe versetzen".

Edward Gorey
Ein fragwürdiger Gast
übersetzt von Alex Stern (A Doubtful Guest, 1957)
Lilienfeld, 1. Auflage 2013
Halbleinen
12,90 €

Der Schreckelhuck, ja der ist weit.
Da wäre noch Goreys "Wuggly Ump", zu Deutsch, damals bei Diogenes: "Der Schreckelhuck", und ich hoffe sehr - (wenn auch etwas schlottrig, wenn man bedenkt, wen man sich da herbeiwünscht) - also ich hoffe sehr, dass einer der beiden Verlage ihn wieder herbeiholt, weil da Dieter E. Zimmer nämlich wirklich genial (man sagt da wohl: kongenial) zu Werke gegangen ist.

hier Gorey:
Sing tirraloo, sing tirralay,
The Wuggly Ump lives far away.

It eats umbrellas, gunny sacks,
Brass doorknobs, mud, and carpet tacks.

und hier Zimmer:
Sing dilidut, sing dudlideit,
Der Schreckelhuck, ja der ist weit.

Er lebt von Schlamm und Teppichzwecken,
Von Schirmen, Knäufen, Jutesäcken.
So muss es sein!

PS.:Hier ist ein englischsprachiger Blog von einem Gorey-Fan für alle, die sich etwas kundig machen wollen über den verehrten Edward Gorey: Goreyana

Für alle, die sich in der Schröerschen "Kundig" machen wollen,
hier die Bücher von und mit Edward Gorey.
Weitere Titel, deutsch oder englisch, bestelle ich gerne.
Ein fragwürdiger Gast
Die Wasserblüte
The Haunted Looking Glass

Samstag, 12. Oktober 2013

Italo Calvino, Alain Corbin


Reading Along the NYRB
50 Years New York Review of Books 50 Jahre

NYRB
Ever since I read "The Baron in the Trees" I have liked Calvino and his writings, even though so far I have only dipped into two other books: "The Invisible Cities" and "Mr Palomar". Almost a year ago arte broadcasted a portrait of Calvino (fr/dt) which I enjoyed a lot.
"Italo Calvino - Ein Portrait"
Now here we have a view of the writer, written by Michael Wood: "Agile Among the Tombs". Wood approaches a central theme with Calvino: home. The more home and homeland are growing in meaning in Germany, it seems the more we tend to make this world more inhospitable for others. The CSU just formed a new ministry, the Heimatministerium, while there are efforts within the European Community to make it increasingly difficult for people who have to flee their home country to reach European Shores.

Wood quotes a sentence in Calvino's "The Road to San Giovanni":
"A general explanation of the world and of its history must first of all take into account the way our house was situated ..."
That is what I like in Calvino, a combination of history and philosophy, and he also is a great story teller.

The other books reviewed in this issue of July 14, 1994 are:
Penguin
Mondadori
Knopf

"Prima che tu dica 'Pronto'" and
"Six Memos for the Next Millenium"

Fischer
Über "Die unsichtbaren Städte" schrieb ich schon hier. "Der Baron auf den Bäumen" las ich in der schönen vergriffenen dtv Ausgabe mit dem Bild von Piatti, in der Übersetzung von Oswalt von Nostiz - die Ausgabe erscheint inzwischen bei Fischer. Der große David Levine setzt Calvino in die Astgabel eines aufgeschlagenen Buchs, von woaus er scharfsinnig und wach und, wie ich meine, etwas verschmitzt die Welt betrachtet.
aus Privatbeständen

Fischer
Fischer


Wagenbach
On the Waterfront
In the same issue of the NYRB there is a lovely book review by Jonathan Raban (Coasting), and here I am thinking foremost of a book by Alain Corbin, who belongs to the group of historians around Carlo Ginzburg (whose Threads and Traces had been published only the previous year). Others are Natalie Zemon Davis (The Return of Martin Guerre), Philippe Ariès (together with George Duby: Histoire de la vie privée), Emmanuel Le Roy Ladurie (Montaillou: The Promised Land of Error), to name a few. I read Corbin's remarkable book: The Foul and the Fragrant: Odor and the French Social Imagination. All those are great books.

Wagenbach
Der Wagenbach Verlag hatte sich in den Achtzigern lobenswerterweise der Herausgabe dieser Bücher in Deutschland gewidtmet; inzwischen sind viele leider vergriffen. Aber dieses Jahr ist, in der Übersetzung von Victoria Lorini, "Faden und Fährten" erschienen. Und im Berenberg Verlag erzählt Maike Albath unter Anderem über Ginzburg und seinen Kreis in ihrem Buch: Der Geist von Turin

Dienstag, 10. September 2013

Daniela's Choice


Buchpatron
John Williams
Stoner



Patronatskind No 9 ist gleichzeitig der erste Band aus der Reihe der New York Review of Books Classics, aus der ausgewählte Titel englischsprachiger Autoren nach und nach ins Programm der Schröerschen Buchhandlung aufgenommen werden werden, um es mal im Futurum II zu sagen. Dies geschieht Dank des großzügigen “Daniela” Patronats, ein Patronat, wie es sich ein Jeder wünscht, der der Literatur zugetan, welches aber selten anzutreffen und darum um so kostbarer ist. 

So, English speaking book lover, this shall be a prospect for you to enter this bookshop and find a whole shelf filled with issues of the New York Review of Books Classics. The publisher has a lot of translated books in his program, too. However much I appreciate the work of translators, I agree with the patron to choose titles where English is the original language. I am however always pleased to order for your special wishes. Just take four, five weeks delivery time into account.


Der Roman ist gerade als gebundenes Buch in der Übersetzung von Bernhard Robben bei dtv erschienen. Beim Verlag heisst es:

“Stoner” ist einer der großen vergessenen Romane der amerikanischen Literatur. John Williams erzählt das Leben eines Mannes, der, als Sohn armer Farmer geboren, schließlich seine Leidenschaft für Literatur entdeckt und Professor wird - es ist die Geschichte eines genügsamen Lebens, das wenig Spuren hinterließ. […] kein Liebesroman, aber doch und vor allem ein Roman über die Liebe: über die Liebe zur Poesie, zur Literatur, und auch über die romantische Liebe. Es ist ein Roman darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein.


Stoner von John Williams steht jetzt unbedingt auf meiner Leseliste, sagen wir mal, im Futurum I. Vielleicht folgen nach der Lektüre ein paar eigene Eindrücke (- dies im Konjunktiv). Ihre Eindrücke und Kommentare sind allzeit willkommen.

Freitag, 5. Juli 2013

"So geht das"


Patronatskind No 7
Rowohlt

Dell
Kurt Vonnegut
Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug
Ü: Kurt Wagseil
Rowohlt
Taschenbuch 8,99 €

Kurt Vonnegut
Slaughterhouse 5 or The Children's Crusade
Dell / Random House
Paperback 6,85 €

New York Review of Books*
Als W. G. Sebald 2003 seine Ansichten über das Schweigen der Deutschen nach dem Bombenkrieg veröffentlicht hatte, entspannte sich eine Diskussion, wieviel Autoren sich mit den direkten Auswirkungen des Bombenkriegs befasst haben. In Deutschland war die Liste bestimmt deswegen kurz, weil ernstzunehmende Schriftsteller entweder vertrieben worden oder selber geflohen, tatsächlich verstummt oder schlimmstenfalls in der Verfolgung oder als Folge des Kriegs umgekommen waren. Wer doch gesprochen hat, dazu fielen mir spontan ein: Hans Erich Nossack, Heinrich Böll, Wolfgang Borchard, Margaret Boveri und Ernst Jünger. Der S. Fischer Verlag veröffentlichte seine Entgegnung:
S. Fischer
Suhrkamp
S. Fischer
Volker Hage
Zeugen der Zerstörung
Die Literaten und der Luftkrieg
Essays und Gespräche
S. Fischer 2003
Taschenbuch 9,95 €   
ISBN: 978-3-596-16035-8

Kurt Vonnegut, also
- er verarbeitet eigene Erlebnisse seines Überlebens als amerikanischer Soldat im Dresdner Feuersturm. Es sind im Internet viele kluge Kommentare zu seinem Buch zu finden, aber das Beste wird es wohl sein, das Buch einfach zu lesen. Es hilft ja nichts, auch in unserer Zeit müssen wir mit dem Gedanken umgehen, dass wir unser Leben leben, derweil Menschen irgendwo Bomben abwerfen.

* The New York Review of Books article by Charles Simic about Sebald's book can be read (and - with reservations - borrowed) in the Schröersche Buchhandlung, among a nice pile of back-copies.

Mittwoch, 3. Juli 2013

Liedschatz


Sonntagabend sah ich bei BRalpha eine Sendung, die mir gut gefallen hat: "Des Knaben Wunderhorn - Ein Meisterkurs [Heidelberg, 2006] mit Thomas Hampson in Heidelberg."
Artemis & Winkler
"Jens Malte Fischer und Karlheinz Rölleke, führende Wissenschaftler auf ihrem Gebiet, berichten über die Geschichte und Bedeutung der Lieder aus 'Des Knaben Wunderhorn' und wie der Geist dieser Sammlung auch heute noch in Heidelberg weiterlebt."
 - diese zusätzliche Information fand ich bei TV14.de. Einer von diesen Beiden zweifelte, dass die Text-Sammlung von Achim von Arnim und Clemens von Brentano überhaupt noch in unseren Bücherschränken zu Hause zu finden sei. Ich liebe alle Gustav Mahler Vertonungen, in seinen Liedern und in den Orchesterwerken, beispielsweise im Titan, und im vierten Satz der vierten Sinfonie, mit dem wunderbaren Lied "Wir genießen die himmlischen Freuden".

Rowohlt
Alte Ausgabe
aus privatem Bücherschrank
Vielleicht geht es Ihnen auch so: wie oft fallen mir Lied- oder Gedichtzeilen ein, die eine
gerade erlebte Situation illustrieren oder ihre Wirkung auffangen und umwandeln - oder vertiefen. Ich fühle dann auch immer eine tiefe Verbundenheit mit den Menschen, aus denen diese Volkslieder entsprangen oder die solche Empfindungen oder Erlebnisse kunstvoll in Lied- und Gedichtform brachten.

Bei der Lektüre von Henri Quatre fällt mir auf, wie bei den Hugenotten das Kirchenlied  angeführt wird als Ausdruck der Bedrängnis aber auch ihres Kampfwillens im Frankreich des 16. Jhdts. Ganz sicher bedeuteten Lieder auch für Heinrich Mann unter dem Schatten des totalitären Nationalsozialismus viel. Meine Eltern stärkten ihren inneren Widerstand mit den Liedern von Rudolf Alexander Schröder. Schröder, Jochen Klepper, aber auch die Dichter der Kirchenlieder zur Zeit des dreißigjährigen Kriegs, Friedrich von Spee und Paul Gerhardt, klingen mir aktuell seit "Der Westen" sich wieder entschlossen hat, mit Waffengewalt auf totbringende und menschenverachtende Weise die Weltgeschicke lenken zu wollen.
Suhrkamp
Verlag der Weltreligionen
Nun hat der Verlag der Weltreligionen im Suhrkamp Verlag Eine Anthologie veröffentlicht: Deutscher Kirchengesang in der Neuzeit. Es ist ein über 900 Seiuten dicker Band mit Dünndruckpapier, wovon knapp die Hälfte allerdings dem Kommentar von Gustav Adolf Krieg vorbehalten ist. Ich finde das großartig, weil darin solch ein Schatz verborgen liegt. Gerade heute, wo in den Medien die Vergangenheit oft aus unserer Sicht präsentiert wird, ist es eine fördernswerte Tat, wenn die Stimmen der Vergangenheit unverstellt und obendrein noch umfassend kommentiert zu uns dringen können. Mitunter tauchen Lieder auf, die sind kitschig oder garstig oder schockierend. Das ist unbequem, und es ist gut, wenn wir uns daran reiben und Schlüsse ziehen. Ich ziehe stets Trost aus der Entdeckung, dass zu allen Zeiten, in schlimmsten Zeiten der Verblendung und der Grausamkeit oder in denen von Kleingeist und Oberflächlichkeit, immer auch Stimmen laut werden, die von wahrhaft großem menschlichen und geistigen Format Zeugnis ablegen und die auf das Beste Nöte und Glück ihrer Zeitgenossen zum Ausdruck gebracht haben.

Freitag, 31. Mai 2013

Meet Illustrator Quentin Blake ...


 
Photo © Ellie, from Hay-on-Wye

... while paying a visit to the dovegrayreader blog on Friday, May 31st, a visit that is worthwhile at anytime.

Guest reporter Ellie writes up her impressions of visiting the 2013 Hay Literary Festival . Quentin Blake did not only illustrate the books written by Roald Dahl. I was quite intrigued to learn what else he is doing in his Eighties.
Worum es geht:
Auf dem englischsprachigen Leserblog dovegrayreader gibt es einen Gastbeitrag mit Bildern zum Literaturfestival in Hay-on Wye, Wales, bei dem der achtzigjährige Quentin Blake, Illustrator von Roald Dahls Büchern, eine Rede hielt.

Samstag, 25. Mai 2013

The Big Friendly


Patronatskind No 3



Patronatskind No 3 - for the English Reader

Actually, T*** is already a grown up, but since this Roald Dahl is missing in the shelves she decided to fill in the gap, support the book shop and propagate a bit of great children's literature. I haven't read this one and am considering following the call.

Roald Dahl
The BFG
Penguin
8,85 €



Palantir Publ.
I am a great fan of another Friendly Giant, well known to all Canadians, I guess, but who in Germany has ever heard of him? You can treat yourself to some clips on YouTube. The Friendly Giant was broadcast by the CBC for many years. First there was a miniature world, then the camera rested on the boot, the big, big boot of the Giant, who knelt amidst the scenery. He invited everybody to his castle and went ahead to let the drawbridge down, accompanied by the folk song "Early one morning ...".

Anyway - there was always music and book reading with his friends, Rusty the Rooster and Jerome the Giraffe, and they might have read a part of the BFG story by Dahl, why not?

Roald Dahl had a grim childhood and horrible school time, but he took the whole mess and created wonderful stories, both for children and for grown ups, too. So, give it a try!

Rowohlt

Rowohlt
Und für unsere deutschen Leser: hier heißt das Buch Sophiechen und der Riese und ist von Adam Quidam übersetzt. Roald Dahls Bücher, zum Beispiel auch Charlie und die Schokoladenfabrik*,  sind ins Deutsche übersetzt und bei Rowohlt lieferbar. Auch sie sind mit den wunderbaren witzigen Zeichnungen von Quentin Blake illustriert.

(* übersetzt von Inge M. Artl und Hans Georg Lenzen)