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Montag, 21. Juli 2014

Hart Cranes Meisterwerk: Die Brücke


Jung und Jung
by David Levine, NYRB**

»Es ist der Geburtstag von Hart Crane (Bücher von diesem Autoren), geboren als Harold Hart Crane in Garrettsville, Ohio (1899). Seine Mutter war eine Chicagoer Debütantin [*] und sein Vater war ein sehr erfolgreicher Bonbon-Geschäftsmann der übrigens Lifesaver erfand, das beliebte ringförmige Minzbonbon.
In den Teenagerjahren von Crane wurde ihm bewusst, dass er homosexuell war; und Leben und Laufbahn von Oscar Wilde faszinierten ihn. Als die Ehe seiner Eltern scheiterte, brach Crane die Schule ab und fuhr im Zug von Cleveland nach New York, um ein Leben als Dichter zu beginnen. Er liebte sein Leben in New York, hing herum mit Dichtern wie E. E. Cummings und Allen Tate.
Quelle: Jung und Jung

Aber es fiel ihm schwer, dort sein Auskommen zu finden, er konnte keinen Job halten. Seine Trinkerei wurde schlimmer und 1932, mit 33 Jahren, nahm er sich sein Leben, indem er auf einem Dampfer auf den Weg von Mexiko nach New York über Bord sprang. Er hinterließ sein Meisterwerk, Die Brücke (1930).«
übersetzt nach Garrison Keillor, bei writersalmanac.publicradio.org
siehe auch: "Poetisches - Ein Streifzug durch neuere und ältere Dichtung (Dezember 2010)"
[* das musste ich nochmal nachschlagen, um sicher zu sein: das sind junge Damen, die sich zum ersten Mal der öffentlichen Gesellschaft präsentieren, wobei der Duden alle sozialhistorischen Bezüge fallen gelassen hat. Es geht aber darum, entweder via Heirat oder via Personalität eine Stellung in der Gesellschaft zu sichern.]
** Quelle: Reader's Catalog, 2nd Edition, 1989 im Privatbesitz, S. 692
Der Druck wird bei New York Review of Books zum Kauf angeboten.

 
Reading Along the NYRB
50 Years New York Review of Books 50 Jahre
NYRB 17 April 2008


When the Library of America published "Hart Crane: Complete Poems And Selected Letters" in 2006 it took Colm Tóibín some time, but in April 2008 his lengthy article "A Great American Visionary" appeared in the New York Review. Diligently and carefully he follows Crane on his short life with poetry, friends, struggles, work and finally a sad and much to early end. We learn about other writers which influenced him, about circumstances which throw him back, about thoughts and deeds. There are quite a bit of passages from his poems and letters to entice us for the whole.
Library of America

What impresses me is Crane's effort to built a great poem pretty early on. The Bridge, that is Brooklyn Bridge, should stand for the country and its people in past and presence. Crane avoids sliding into myth or pathos. He has a keen eye for the landscape and nature that remains interwoven with the city and its structures. Somehow by reading The Bridge, woodcuts of Frans Masareel come to my mind.

This April 2008 issue and others of the NYRB, from 1996 on, are in the bookshop to be read during opening hours. I would be pleased to find you interested. Chairs and tables are at your service. With necessary precautions the papers may be borrowed, too.

Dienstag, 15. Juli 2014

Der Buchblog nebenan I


Hotlistblog
Der Hotlistblog

Der Hotlistblog erwuchs aus dem Hotlistpreis, der alljährlich an Autoren und Werke aus unabhängigen Verlagen verliehen wird. Hier kümmern sich zwei emsige Korrespondenten,  mit Sitz in Wien und Berlin und liefern stetig frische Besprechungen aus dem deutschsprachigen Raum.  Ich ermuntere Sie hier, sich ein "Buchzeichen" dazu anzulegen. Oftmals sind die Verlagstexte abgedruckt, aber immer wieder gibt es die Stimme von Senta Wagner oder Meinolf Reul selbst, und das gefällt mir natürlich am besten.

Zwei jüngste Beispiele, die zur Diskussion anregen:

Kurt Wolff Stiftung

litprom
"... hier die drei weiteren Titel aus der Sommerausgabe der litprom-Bestenliste „Weltempfänger”, auch wenn die Bücher nicht aus Independent-Verlagen kommen (Hanser ist unabhängig, hat aber eine eigene Verlagsgruppe gebildet, zu der Hanser Berlin, Hanser Kinderbuch, Hanser Fachbuch, Nagel & Kimche, Deuticke, Zsolnay, Sanssouci, Fachbuchverlag Leipzig u. a. gehören, und liegt mit einem Jahresumsatz von 50 Millionen Euro um 45 Millionen Euro über der Grenze, die die Kurt Wolff Stiftung als Maximum für eine Mitgliedschaft festlegt, s. hier [*]).

Die Diskussion, was ein Independent-Verlag ist und eine genaue begriffliche Definition stehen noch aus. Vorerst genügt es vielleicht im Kopf zu behalten, dass die Bezeichnung in Anlehnung an unabhängige Plattenlabels, eben Indie-Labels, entstanden ist, in Abgrenzung zu den Major Labels.

Der Wikipedia-Artikel, wenngleich veraltet, erwähnt ganz richtig, dass Imprints keine unabhängigen Verlage sein können. Bei Verlagen wie METROLIT könnte man schon mal durcheinanderkommen. / mr"  [* weitere Links im Originalbeitrag]

*

Edition Meerauge

"Was könnte ein Meerauge bloß sein? Es hat bestimmt was mit Magie und Farbe zu tun, mit Legenden und Eiszeit. Tatsächlich wurden gleich zwei Meeraugen entdeckt: ein kleines Gewässer im Bodental in den Karawanken und ein Gletschersee in Polen in der Hohen Tatra. Ein weiterer staunenswerter Fund ist die Edition Meerauge aus Klagenfurt, die bibliophile Reihe für zeitgenössische Literatur im geschichtsträchtigen Verlag Johannes Heyn, gegründet 2010. “Bücher wie Meeraugen”, die gibt es dort, bestimmt so tiefgründig, selten und schillernd wie die obigen Naturwunder. Das Programm ist also überschaubar, bewegt sich im Prosabereich. Im Frühjahr erschien ein Titel, gleichzeitig bereits das vierte Meerauge der österreichischen Schriftstellerin Simone Schönett. Ihr Roman Der Private Abendtisch wird als “literarischer Glücksfall” bezeichnet, die Gestaltung ist hingebungsvoll. / sw"

*

Buch und Gespräch
Es gibt auf dem Hotlistblog eine Kommentartaste, aber bei mir sprach sie jedenfalls nicht an, und insgesamt scheint die Konversationskunst in unserem Land der einstmals großen Literarischen Salons zu darben, wenn man mal im Vergleich die Kommentare bei The Guardian liest (heute beispielsweise zum Tod von Nadine Gordimer).

Weswegen ich hier überhaupt den Gastbeitrag einschiebe ist, weil mich der fleissig zusammengestellte Beitrag "Schlaf etc." vom 12. Juli dazu angeregt hat.

"Im Hotlistblog geht es – was meinen Part betrifft – in Kürze weiter mit einer kleinen Serie zum Themenbereich Schlaf, Müdigkeit, Faulheit, Nichtarbeit, Muße.", wie mr am 7. Juli ankündigte, und das Thema liegt mir.

***

Jean-Luc Nancy, Vom Schlaf

Entgegen der Thematik haben hier drei Schriftsteller fleißig nachdeacht und auch mein Hirn beginnt geschäftig zu surren. Dieses "Fallen" bei Jean-Luc Nancy ... Da werden so viele Facetten angesprochen und Ausdruckstiefen. Es kann Resignation gepaart mit Protest darin liegen, oder ein Zusammensacken, oder eine Demonstration wie bei Reinhard Mai: "Wie ein Baum, den man fällt, eine Ähre im Feld - ich will im Stehen ster-her-ben". Viktor von Weizsäcker schrieb von der Arbeit, die das Schlafen eigentlich verrichtet. Es ist ein physischer Vorgang. Man liegt ja nicht einfach so herum. Na, ich hätte schon Lust, bei Nancy hineinzulesen ...

Byung-Chul Han, Müdigkeitsgesellschaft

Das ist diese Reihe bei Matthes  Seitz die dem modischen Trend erlegen ist - oder hat sie ihn vielleicht gesetzt? - Autorennamen und Titel in fetten Blockbuchstaben um die Ränder herum zu schreiben, so dass man erstmal eine Weile mit dem Entziffern zugange ist. Hm. Aber die Reihe selbst hat es in sich. "Food for thought" sagt der Engländer. Ich habe den Verlagstext zwei-, dreimal gelesen und bin etwas begriffs-stutzig geblieben und es weht ein Hauch der intellektuellen Siebziger, wie ihn damals die pinke Reihe von Rowohlt oder die stw-Reihe ausströmte. Man kann sich damit schmücken, oder man muss richtig ran und sich durchbeissen und daran arbeiten, bis man kapiert. Mir geht's jedenfalls so. Ist mit dem "Übermaß an Positivität" die Sattheit gemeint, der saturierte Bürger? Wie kommen Positivität und Depression in einen Hut? Ist es Überdruss?

Wie auch immer, so, wie ich angelegt bin, würde ich doch eher zum dritten besprochenen Buch greifen:

Paul Lafargue, Das Recht auf Faulheit

Ja! Unbedingt! Eins meiner Ansichten in diesen Zeiten ist, dass die Welt so voller Macher ist, die dermaßen viel kaputtmachen, dass es nur gut ist, wenn es Menschen gibt, die garnichts tun, einfach nur wesen, sozusagen. Und Lafargue betont dass mit Faulheit nicht Muße gemeint ist. Toady in Der Wind in den Weiden, mein ich, ist so ein Vertreter, der über genügend Mittel und Muße verfügt, um die verrücktesten Flausen auszuleben mit bekanntlich desaströsen Folgen, und das ist noch die unterhaltsame Variante. Oblomow dagegen, schenkt uns den wunderbaren Traum und einen dicken herrlichen Roman. Dieses Buch ist eine Genugtuung für mich selbst, die ich als Kind und Heranwachsende unter dem Vorwurf der Faulheit heranwuchs. Ich weiss also von der verborgenen Welt die sich in der Faulheit verschließt, und sie ist mannigfaltig. Es wäre also das Thema auch im Zusammenhang mit dem Heranwachsen zu betrachten und sozio-historisch auf Jugend in Deutschland. Hartmut von Hentig hat da beispielsweise Ansätze, die es zu diskutieren gäbe.

Jetzt frage ich mich, ob einer hier inzwischen eines der Bücher gelesen hat. Der Hotlistblog weckt jedenfalls Lust, und dafür sage ich Danke.

Freitag, 11. Juli 2014

intermezzo


Louisiana channel
Kerstin Ekman

Albert Bonniers Förlag
Roaming in old bookmarks I found this video and can't remember when I put it there.  The novel by Kerstin Ekman which brought her much praise and made her well-known — Blackwater — I had read in German translation in 1995 (Geschehnisse am Wasser) and had liked very much, even if it is pretty dark. When a year ago I visited my friend (who'd introduced me to her writing in the first place), I dipped into Ekman's capacious essay: Herrarna i skogen (2007, in German: Der Wald. Eine literarische Wanderung) which seems not to have been published in English so far. Ekman has an intelligent and elegant way of writing and is full of stories and knowledge. In 2011 her novel Grand final i skojarbranschen (German: Schwindlerinnen) was published. It is always worthwhile to wait for what she will come up with next.

Piper
(out of print/vergriffen)
Piper
Vintage

Samstag, 12. April 2014

Ganz kurz, aber herzlich, empfohlen


Suhrkamp
Patronatskind No 15.

Svenja Leiber
Das letzte Land
" [...] lapidar, herb, poetisch. Unheitere Welt, sparsamer Lichteinfall. Die Geschichte endet 1975, im Geburtsjahr der Autorin." 
(Ein entzückter Leser)

"Leiber gehört zu jenen ernsten Autoren, die über Jahre keinen Mucks machen, und dann kommen sie eines Tages mit einem Buch um die Ecke, das sich gewaschen hat, rasend gut geschrieben.

Da setzt man sich dann gerade auf den Stuhl, reibt sich die Augen, schlägt noch mal prüfend auf, stakt mit dem Finger durch die Seiten, kommt zum Schluss: Tja, sehr, sehr gut, da gibt es nichts!"
(Vom alten hotlistblog)

Der Suhrkamp Verlag gehört nun zwar nicht zu den kleinen unabhängigen Verlagen, aus deren Programm auf dem Hotlistblog regelmäßig Fundstücke ins rechte Licht gerückt werden. Frühere Bücher von Leiber waren bei Schöffling & Co. erschienen und werden dort besprochen. Der Hotlistblog ist umgezogen und zu regelmäßigem Besuch sehr empfohlen.

Mittwoch, 26. März 2014

Grace Paley


Reading Along the NYRB 
50 Years New York Review of Books 50 Jahre 

Schöffling & Co
Grace Paley
Storys*/Stories

Im Verlag Schöffling & Co ist gerade im Februar die zweite Sammlung von Kurzgeschichten von Grace Paley erschienen. Der Verlag bietet Leseproben, und auch in Übersetzung kommt der spröde Humor gut über. New York ist noch Schauplatz in seinen wilden und ungekämmten Jahren. Es tauchen lauter - das muss jetzt ja kommen: - meschuggene Gestalten auf. Paley wird zu einem literarischen Zille von den Bronx.

Hier ein Leseproben-Zitat aus "Wünsche", in der Übersetzung von Sigrid Ruschmeier:
"Mein Exmann war mir zur Buchrückgabe gefolgt. Er unterbrach die Bibliothekarin, die noch mehr zu sagen hatte. Wenn ich so zurückschaue, sagte er, schreibe ich die Zerrüttung unserer Ehe in vielerlei Hinsicht der Tatsache zu, dass du die Bertrams nie zum Essen eingeladen hast. Gut möglich, sagte ich. Aber falls du dich erinnerst: Erst war an dem Freitag mein Vater krank, dann wurden die Kinder geboren, dann hatte ich dienstagabends immer die Versammlungen, dann fing der Krieg an. Dann kannten wir sie offenbar nicht mehr. Aber du hast recht. Ich hätte sie zum Essen einladen sollen." 
* [sic] Die Verlagsversion in Deutsch für Stories/Kurzgeschichten bereitet mir leichtes Kopfschütteln.
 
NYRB
Der Vergleich mit dem Original zeigt aber, dass es schon gut ist, wenn man Englisch lesen kann. Die Kurzgeschichte heisst da "Wants", was neben "Wünsche" auch "Entbehrungen" bedeutet.
"My ex-husband followed me to the Books Returned desk. He interrupted the librarian, who had more to tell. In many ways, he said, as I look back, I attribute the dissolution of our marriage to the fact that you never invited the Bertrams to dinner.

That’s possible, I said. But really, if you remember: first, my father was sick that Friday, then the children were born, then I had those Tuesday-night meetings, then the war began.Then we didn’t seem to know them any more. But you’re right. I should have had them to dinner."
Der Verlag Farrar, Straus & Giroux hatte 1994 "The Collected Stories" herausgegeben. In der Buchhandlung ist der Titel in seiner Taschenbuchausgabe vorrätig:

Virago
Grace Paley
The Collected Stories
Virago (1998), Reprint 2003
18,80 €

Ann Hulbert bespricht die Erstausgabe ausführlich in der NYRB vom 11. August 1994: New Wives' Tales. Diese und andere Ausgaben der New York Review of Books stehen während der Öffnungszeiten zum Studieren vor Ort zur Verfügung. Ich würde mich freuen, interessierte Leser zu begrüßen.

Ann Hulbert writes:
"Paley has always believed that she could speak from and about her small corner of the world and hope to be heard well beyond it. Thirty-five years ago "The Loudest Voice" made readers listen up. Paley's "remembering tongue" hasn't spoken very often since then, but its careful choice of occasions may turn out to be one reason it isn't soon forgotten."
For more about Grace Paley you also may visit the dovegreyreader blog and join the discussion.

Freitag, 7. März 2014

Willkommen, ihr Schweizer! Willkommen alle Leser!



Anlässlich des Auftritts Schweiz bei der diesjährigen Leipziger Buchmesse lädt die Schröersche Buchhandlung hoch oben vom Schöneberg alle Leser ein, zum Klettern in geistige und vergnügliche Höhen.

Transit

Auftritt Schweiz Fenster, März 2014 Schweizer Verlage

Schweizer Autoren
Detail: Ganz oben
siehe auch:
Schröersche Ereignisse
Schröerscher Merkur

Mittwoch, 26. Februar 2014

Schiefgegangen und gelungen


btb

Vom Absinken ins Spießertum und vom Aufsteigen zum Künstler

Patronatskinder
No 12 und No 13


RichardYates
Zeiten des Aufruhrs

Ach! wo Liebe sanft und wild zugleich!
John Keats
(Motto des Romans)

"Revolutionary Road" heisst der Roman im Original, der 1961 bei Little Brown, NY, erschienen war und hier in der Übersetzung von Hans Wolf nach einer Neuauflage von 2000 bei Vintage vorliegt. Revolutionary Road ist die Adresse des Paars, und der Roman beginnt mit Theater:
"Als die letzten Geräusche der Generalprobe verklungen waren, blieben die Laurel Players noch eine Weile stumm und hilflos stehen und schauten blinzelnd über das Rampenlicht in den leeren Zuschauerraum."
Was lässt unsere Träume verblassen und nimmt unseren Schwung? In "Zeiten des Aufruhrs" wirft der Autor einen eindringlichen Blick in das Leben vom hoffnungsvollen Paar April und Frank Wheeler. Der Leser wird in die fünfziger Jahre transportiert, in eine Stadt in Conneticut. In ungekünstelter Prosa und mit spürbarer Sympathie zu seinen Helden erzählt Richard Yates uns, wie so etwas geschehen kann, und es wird zur Literatur, die den Vorhang zur Bühne unserer eigenen Leben hebt.
Kunstmann

Quentin Blake und John Cassidy
Zeichnen für verkannte Künstler

Hier scheitert keiner, und Freude ist gewiss: her mit Stiften und Papier und los geht's!
Das Lob auf Quentin Blake habe ich schon im Zusammenhang mit den Büchern von Roald Dahl gesungen: "Meet Illustrator Quentin Blake". John Cassidy ist Gründer des erfolgreichen Kreativ-Buch Verlags Klutz, mit dessen Anleitung sich unsere Kinder schon leidenschaftlich dem Seilchenspringen, Perlenknüpfen, Fadenspiel und Knicker gewidtmet hatten. Dieser schöne Band zum ungehemmten lustvollen Zeichnen ist also, übersetzt von Ruth Keen, für deutschsprachige kleine und große Künstler zu haben.

Beide Bücher werden empfohlen vom Buchpatron. Je suis tout à fait d'accord!

PS: Siehe auch Quentin Blake, Zagazoo

Freitag, 10. Januar 2014

Dem Fremden begegnen

Hoffmann & Campe


Patronatskind No 11

Jamil Ahmad
Der Weg des Falken
Übersetzung: Giovanni und Ditte Bandini
(The Wandering Falcon, 2011)

Jetzt habe ich behutsam in die ersten Kapitel gelesen und bin froh, auf diesen Roman aufmerksam gemacht worden zu sein.

Vor einigen Jahren sah ich einen epischen Film über das Leben in Kriegszeiten zwischen Afghanistan und Pakistan. Daran musste ich denken. Gezeigt in ruhigen langsamen Schwenks wurde die dürftige Landschaft des Grenzgebiets, und allmählich gewöhnte sich das Auge an die eigenartige Schönheit des, zunächst als Mangel empfundenen, Panoramas. Auch hier im Buch hebt die Erzählung mit der Landschaft an: "In der Wirrnis von zerbröckelnden, schartigen, und verwitterten Hügeln, in denen sich die Grenzen des Irans, Pakistans und Afghanistans berühren, ..." karge Landschaft, monate-anhaltende Sandstürme und harsche Stammessitten prägen das Schicksal der Menschen, Soldaten auf einem Aussenposten, Angehörige der Siahpads, dann Belutschen - so wie wir sie im Laufe der Handlung kennenlernen.

Aber Jamil Ahmad legt nicht nur Zeugnis von diesem Leben ab, er ergreift auch Partei, und trifft mich fern im "zivilisierten" Westen, wie er die Verurteilung zum Tode an einer Handvoll Belutschen durch pakistanische Beamten in einem eigenen Absatz anprangert: Kein Journalist nennt das Unrecht, jeder schreibt lieber über die Lage "in Südafrika, in Indonesien, in Palästina und auf den Philippinen". Die Politiker, die reden "weiter über das Recht des Einzelnen, über Menschenwürde, die Ausbeutung der Armen...". Und schließlich holt Ahmad noch einmal aus zu einem Appell gegen die Todesstrafe: "Diese Männer sterben einen endgültigen und totalen Tod. Sie werden in keinem Lied fortleben; keine Denkmäler wird man für sie errichten [ ... ] Was mit ihnen starb, war ein Teil des Belutschenvolkes selbst. Ein wenig von der Spontaneität, mit der sie Zuneigung anboten, und etwas von ihrer Höflichkeit und ihrem Vertrauen. Auch dies wurde vor Gericht gestellt und aufgeurteilt und starb mit diesen sieben Männern."

Das erinnert mich an die Aufzeichnungen zum Leben von Dimitri Schostakovitch, bei denen an eine grausame Begebenheit des zunehmend paranoiden Stalin erinnert wurde: wie er alle umherziehenden Barden einlud zu einem großen Fest, um sie dann alle umbringen zu lassen. Mit diesen Menschen, die aus allen Teilen der Sowjetunion zusammengekommen waren wurde durch pure Willkür ein gewaltiges kulturelles Erbe ausgelöscht.

Der Junge Tor Baz wird am Leben gelassen, aber er ist auf ein Neues verwaist, und die Geschichte nimmt ihren Lauf - auf dem Weg des Falken.

Ich lese das Buch mit Staunen. Sprachlich erinnert es mich an die Schilderungen von Bunin. Ich stimme den Rezensenten Stefan Weidner von Deutschlandradio und Angela Schader von der NNZ besonders zu. (Ihre Zitate sind auf der Verlagsseite unter den Pressestimmen zu finden).

Samstag, 12. Oktober 2013

Italo Calvino, Alain Corbin


Reading Along the NYRB
50 Years New York Review of Books 50 Jahre

NYRB
Ever since I read "The Baron in the Trees" I have liked Calvino and his writings, even though so far I have only dipped into two other books: "The Invisible Cities" and "Mr Palomar". Almost a year ago arte broadcasted a portrait of Calvino (fr/dt) which I enjoyed a lot.
"Italo Calvino - Ein Portrait"
Now here we have a view of the writer, written by Michael Wood: "Agile Among the Tombs". Wood approaches a central theme with Calvino: home. The more home and homeland are growing in meaning in Germany, it seems the more we tend to make this world more inhospitable for others. The CSU just formed a new ministry, the Heimatministerium, while there are efforts within the European Community to make it increasingly difficult for people who have to flee their home country to reach European Shores.

Wood quotes a sentence in Calvino's "The Road to San Giovanni":
"A general explanation of the world and of its history must first of all take into account the way our house was situated ..."
That is what I like in Calvino, a combination of history and philosophy, and he also is a great story teller.

The other books reviewed in this issue of July 14, 1994 are:
Penguin
Mondadori
Knopf

"Prima che tu dica 'Pronto'" and
"Six Memos for the Next Millenium"

Fischer
Über "Die unsichtbaren Städte" schrieb ich schon hier. "Der Baron auf den Bäumen" las ich in der schönen vergriffenen dtv Ausgabe mit dem Bild von Piatti, in der Übersetzung von Oswalt von Nostiz - die Ausgabe erscheint inzwischen bei Fischer. Der große David Levine setzt Calvino in die Astgabel eines aufgeschlagenen Buchs, von woaus er scharfsinnig und wach und, wie ich meine, etwas verschmitzt die Welt betrachtet.
aus Privatbeständen

Fischer
Fischer


Wagenbach
On the Waterfront
In the same issue of the NYRB there is a lovely book review by Jonathan Raban (Coasting), and here I am thinking foremost of a book by Alain Corbin, who belongs to the group of historians around Carlo Ginzburg (whose Threads and Traces had been published only the previous year). Others are Natalie Zemon Davis (The Return of Martin Guerre), Philippe Ariès (together with George Duby: Histoire de la vie privée), Emmanuel Le Roy Ladurie (Montaillou: The Promised Land of Error), to name a few. I read Corbin's remarkable book: The Foul and the Fragrant: Odor and the French Social Imagination. All those are great books.

Wagenbach
Der Wagenbach Verlag hatte sich in den Achtzigern lobenswerterweise der Herausgabe dieser Bücher in Deutschland gewidtmet; inzwischen sind viele leider vergriffen. Aber dieses Jahr ist, in der Übersetzung von Victoria Lorini, "Faden und Fährten" erschienen. Und im Berenberg Verlag erzählt Maike Albath unter Anderem über Ginzburg und seinen Kreis in ihrem Buch: Der Geist von Turin

Donnerstag, 25. Juli 2013

Von Diogenes und von Suhrkamp


Balzac
Lem
Merian
Nizon

Weil's so schön war, noch einmal

Von der Insel-Bücherei: Im letzten Jahr feierte die Insel-Bücherei ihr 100-jähriges Bestehen mit einer Reihe von extra gestalteten Neuauflagen, darunter die von Balzac mit den Zeichnungen von Picasso, Das unbekannte Meisterwerk. Aber auch die Erzählung von Stanisław Lem, Professor A. Donda, die in der Sammlung Sterntagebücher* im Suhrkamp Taschenbuch lieferbar ist, kam 2012 als Erstauflage in der Insel-Bücherei heraus, mit beeindruckenden Illustrationen von Benjamin Courtauld. 2011 war von Paul Nizon Goya erschienen, ein Buch, das mich gleich mit der ersten Seite zum Fan machte, und das hier schon mehrmals glückliche Käufer fand. Bekanntermaßen führe ich ja eigentlich jeden Titel nur einmal in meinem begrenzten Programm, aber Nizon hatte ich dazubestellt, obwohl noch eine Kopie vorhanden war, und die zweite Nummer war noch nicht eingetroffen, da war die erste schon wieder verkauft. Das letzte im aktuellen Reigen der Insel-Bändchen ist: Neues Blumenbuch, von Maria Sibylla Merian. Das ist in diesem Jahr erschienen und kommt ganz betörend daher im Großformat.

* Die Links unter den Titelabbbildungen verbinden Sie mit der Verlagsseite und den Veröffentlichungen der Autoren dort, die Titel im Text sind mit dem digitalen Laden der Schröerschen Buchhandlung verbunden.

Noch mehr Gutes: Das posthum von Christa Wolf erschiene Ein Tag im Jahr im neuen Jahrhundert war viel zu schnell verschwunden, und jetzt kam es wieder herein, schon in zweiter Auflage. Sowas ermutigt mich, wenn ich weiss, dass solche Bücher immer noch viel gelesen werden. Die Gedichte von Natan Zach, gesammelt unter dem Titel Verlorener Kontinent, verdienen weitere Verbreitung. Brasilien von Stefan Zweig ist auch wieder eingetroffen.

Wolf
Zweig
Zach

Szabó
Die Geschichte von der Magd -Aus der Suhrkamp Taschenbuch Reihe kam Hinter der Tür von Magda Szabó. Ganz abgesehen davon, dass in seiner Verfilmung Helen Mirren die Magd Emerenc spielt, reizt mich selbst, den Roman zu lesen ( - vielleicht, wenn ich mit Jugend und Vollendung von Heinrich Mann und mit A suitable Boy von Vikram Seth durch bin, die gerade noch auf den Jahresprogrammen Henri Quatre Colloquium (hqc) und Suitable Team bei dovegreyreader anliegen). Der Titel reiht sich dann ein mit anderen Romanen und Erzählungen über Mägde in der Literatur: Ein schlichtes Herz von Gustave Flaubert und Die Magd Zerline von Herman Broch. Gerade sahen wir zu Hause den großartigen Film von Robert Altmann: Gosford Park, zu dem es allerdings keine Romanvorlage gibt.

Das hatte noch gefehlt!

Brunhoff
Rey
Spyri

Kein Kinderkram: Es war an der Zeit, dass ich ganz wesentliche Lücken im Programm schließen musste; denn was ist eine Kindheit ohne der Geschichte vom kleinen Elefanten, namens Babar, ohne Heidi, von deren Lehr- und Wanderjahren wir durch Johanna Spyri viel aufregender lesen können als in Wilhelm Meister. Dann gehört auch Coco zur Grundausstattung kindlicher Heldengestalten. Dann ist da noch Sendaks Geschichte: In der Nachtküche - auf jeden Fall ein Buch, das eine Epochenwirkung ausübt. Und die geliebte Beatrice Potter! Diogenes hat gleich vier Geschichten großformatig in einen fein produzierten Band vereinigt: Die gesammelten Abenteuer von Pater Hase. Verblüfft sah ich, dass Potter nicht nur in Aquarell, sondern auch in Holzschnitt gearbeitet hat, und dachte doch, schon so gut Bescheid zu wissen.
Potter
Sendak

Und für die Großen: Ziemlich frisch, vom Mai, ist das abschließende kleine aber gewichtige Bändchen, XII, von Jürgen Habermas' Kleine politische Schriften: Im Sog der Technokratie. Privat las ich im letzten Jahr sein Buch "Zur Verfassung Europas", wobei mich seine kluge Analyse beeindruckte. "Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten" hat sich vielleicht Tom Hodgkinson gesagt und sich aufgemacht in die Schöne Alte Welt, die er meint, dort zu finden. Im Inseltaschenbuch erschien dieses Jahr "Ein praktischer Leitfaden für das Leben auf dem Lande", und wer jetzt im Sommer mit dem Radel hier in Berlin zur Stadtgrenze unterwegs ist, staunt immer wieder, wie Wald, Wiesen und Weiden just vor der Haustür locken.
Habermas
Hodgkinson